Italien Sommerfahrt 2003


23.08.03

Morgens um 6.30 Uhr trafen wir uns an der Villa. Nach Kaplan Dreggers Reisesegen gingen wir zum Bahnhof und fuhren nach Köln, von wo aus wir mit dem Bus zum Flughafen fuhren. Nachdem wir dort „Das Magazin“ gekauft hatten, flogen wir nach Rom. Dann die erste Überraschung: Mein Rucksack ist nicht da. Dann weiter mit der Bahn nach Tiburtina-Orte-Foligno-Assisi und mit dem Bus zur Jugendherberge.

Philipp Moßmann

 

24.08.03

Nachdem wir um 6.30 Uhr aufgestanden sind gab’s erst mal ein „riesiges“ Frühstück in der JH, welches aus einem Minibrötchen, einem Schokoding und Marmelade, Butter und Tee, Kaffee, Milch bestand. Danach, so gegen 8.45 – 9h, ging es dann hoch nach Assisi, wo es Kirchen, Kirchen und noch mehr Kirchen sahen. Um 10h ging es zur Messe bis gegen 15 vor 11, dann Essen und Freizeit. Noch mehr Assisi geschaut, Eis gegessen, hübsche Frauen und die dazu gehörigen Ferraris gesehen. Danach wieder alle beisammen, weiter Kirchen gucken, bis abends. Dann Das Kochdesaster: Zuerst klappt ja alles mit dem Benzinkocher, aber nach dem Nachfüllen und Druckaufbauen spritzte mir dann beim Schließen des Ventils Benzin entgegen und der Kocher stand in Flammen. Fazit: Ein Benzinkocher weniger, also gar kein Kocher mehr da. Ich habe nun ein paar Brandblasen da mein Zeigefinger und Daumen lichterloh brannte. Der Kocher wurde gelöscht, die Hand gekühlt, alles halb so wild und ab hoch nach Assisi, den Abend ausklingen lassen.

Andreas Heller

 

Das fängt ja gut an: Wir können nicht nur nicht zelten, weil uns eine Kohtenbahn fehlt, wir haben auch keinen Kocher mehr. Meine Idee, dass der Rucksack vielleicht im Laufe des Tages eintreffen könne, belustigt die Herbergsmitarbeiterin. Das wäre für den Flughafen Rom, harmlos ausgedrückt, eher untypisch. Sie habe mal soundsolange gewartet und ihre Freundin noch viel länger und überhaupt sollen wir froh sein wenn wir den Rucksack überhaupt wiedersehen, so sei das eben in Rom. Na toll, aber morgen muss es trotzdem irgendwie mit der Wanderung losgehen.

Stephan Nüsgen

 

25.08.03

Morgens aufstehen, packen, wieder Minifrühstück, 2 Tassen Kaffee, Scheid ißt gar nix. Loswandern Richtung Monte Subasio! Auf 1/3 Höhe kackte Lecki ab, irgendwie voll überanstrengt, dann folgte eine von 11.00 – 14.00 dauernde Pause, in der gegessen wurde. Anmerkung: Scheid hat nur ein Krüstchen gegessen. Weiterwandern, um 16:30 bricht Scheid mit Lecki zusammen, wir waren schon fast da. Daraus folgte wieder eine zweistündige Pause. Nachdem wir ne halbe Stunde weitergewandert sind, kamen wir in ein monsterfettes Gewitter! Alle klitschnass kamen wir um ca. 19.45 h an ner Hütte an, in der wir dann unsere Sachen zu trocknen versuchten und mit Mühe und Not (allerdings sehr gequetscht) ungefähr zwei Stunden (gesamt) geschlafen haben!

Jakob Koll

 

Bleibt noch zu erwähnen, dass die polnische Pilgergruppe in der Jugendherberge sich heute morgen wohl im Gepäckstapel geirrt hat und meinen Rucksack in ihrem Reisebus verstaute. Gut dass ich das nicht nur früh genug (kurz vor deren Abfahrt…) gemerkt habe, sondern der Mucha auch noch Polnisch spricht, so war’s nur eine Beinahe-Katastrophe.

Stephan

 

26.08.03

Ich lag eigentlich ganz bequem, wenn man mal davon absieht, dass mich von einem Eimer mit einem weißen Pulver (Rattengift? Kalk? Koks?) nur ein Poncho trennte.

Am Morgen ging’s bergab nach Spello, wo sich auf dem Weg ein neuer Regenschauer einstellte. Als wir in Spello Unterschlupf fanden hörte es natürlich auf zu regnen und wir wurden von Nüssi mit Leckereien beglückt. Nun also auf zum Bahnhof und mal richtig (…)

Nüssi geht mit Philipp und RMSH shoppen nach Loveable & Co. Während der Rest sich n schönen Tag in Spello macht. Die Post hatte beschlossen bis 30.08. nur bis 11.30 geöffnet zu haben. Abends gab’s dann den halbnackten Knaben mit Besen auf dem Kopp was wohl Gladiatoren sein sollten. Danach gab’s die obligatorische Nacht am Bahnhof.

Ingo Steinberger

 

27.08.03

Die Nacht am Bahnhof war okay, wir sind früh weggekommen und hätten um halb neun loswandern können, aber wir brauchten ja noch einen Kocher und Klamotten sowie einen Schlafsack für Philipp M. und Leckis halber Rucksack musste zur Post. Also sind Philipp und ich per Bus quer durch die Gegend gefahren und es ging erst um 12.00 Uhr los. Die Kochertour war erfolgreich (in einem Elektroladen wurden wir fündig …) aber sinnlos weil ein entsprechender Laden vor Ort gewesen wäre. Unsere Wanderung war schön, obwohl wir von unserem Wanderweg, dem „Sentiero francescano della Pace“ erstmal nix gesehen haben. Zu meinem üblichen Knieschmerz gesellt sich ein seltsames Gefühl im linken Auge. Also Hirn aus und schneller laufen. Bei der Mittagspausengammelei gabeln uns italienische Pfadfinder auf und bieten uns nach hartnäckigem Nachfragen einen Platz zum Schlafen vor ihrer Hütte an, nachdem ein gewisser Marcello zugestimmt hat. Für mich geht’s erst mal ins Krankenhaus. Ergebnis: Gegen Bindehautentzündung hilft eine Augenklappe, dazu gibt’s Antibiotika. Ein weiterer Katastrophentag geht einem schönen Tag (immerhin) entgegen.

Stephan Nüsgen

 

28.08.03

Mullah Mucha schreibt… und zwar mit enormer Verspätung womit das Geschriebene mehr einer Zusammenfassung ähnelt, aber egal…

Nun, viel zu spät aufgestanden, viel zu langsam gegessen, aber den Sonnenaufgang genossen (ooh).

Irgendwann wanderten wir auf Marcellos Weg los und kamen in Valfabbrica auch an. Dort pflanzten wir uns auf den Markplatz (wie immer) und der Pfarrer wurde gesucht (wie immer) und auch gefunden (hei!). Im örtlichen Pfarrheim verbrachten wir dann noch einen ruhigen Nachmittag mit Wein, Weib und Gesang.

Christoph Mucha

 

29.09.03

Der schöne Ingo berichtet nun aus dem wackligen Bus über die Wanderung von Valfabbrica nach Biscina (Festung auf einem Berg). Außerhalb von Valfabbrica teilten wir uns auf; die armen Kinder durften über die Straße abkürzen, während die echten Männer am Stausee vorbeigingen. Nach einem unter Wasserknappheit leidenden Marsch erreichten wir die Festung und konnten den Besitzer nicht nur zu einer Nacht in der selbigen, sondern auch zu Wasser und Wein überreden. Jedenfalls war diese Unterkunft bis jetzt die mit Abstand Beste. Nur sind wir den Besitzern am Ende wohl etwas auf die Senkel gegangen. Aber die waren eh reich.

Ingo Steinberger

 

Samstag, 30.08.03

Es mag ein wenig arrogant klingen, doch als potentiell Leidtragender Nummer 1 des heutigen Tages will ich nun zu Papier und Feder greifen und meine zur Zeit einäugige Sicht der Dinge niederschreiben. Der Tag begann recht angenehm – ich erwachte in meinem einsamen Burgzimmer, knapp unterhalb des Bergfrieds und wurde erneut durch die überwältigende Weitsicht über die Berglandschaft Umbriens gefesselt. Zum Frühstück gab es eine weiße Proteinpampe dickflüssiger Konsistenz, die ich zunächst skeptisch, dann aber doch mit zunehmendem Genuss in mich hineinlöffelte. Womit die Annehmlichkeiten des heutigen Tages auch schon vorüber waren. Der Zustand meines Auges- resultierend aus der gestrigen Hundeattacke- hatte sich zunehmend über Nacht verschlechtert und so beschlossen Nüssi und ich uns zum ca. 18km entfernten Gubbio durchzuschlagen um dort im Krankenhaus mein Auge verarzten zu lassen. Wir liehen uns Fahrräder und ließen den Rest der Gruppe zum faulen in der Sonne liegen zurück. Nach einigen Kilometern Radelei erreichten wir Scritto, von wo aus wir nach Gubbio trampten. Das Hospital, was uns dort erwartete, übertraf alle Erwartungen: Überfüllte Warteräume, inkompetente Bürokraten, nicht vorhandene Englischkenntnisse und ständig von A nach B über X laufen. Endlich schmierte mir irgendein Metzgerverschnitt eine Paste ins Auge und verordnete mir Augenklappe und Drogen für die nächsten Tage. Die Beschaffung der Letzteren nahm die nächsten Stunden in Anspruch. Per Anhalter reisten wir durch die italienische Galaxis der öffentlichen Hand und sinnlos wanderten wir durch den Weltraum der Inkompetenz. Eine nähere Beschreibung dieser Odyssee will ich dem Leser dieses Buches nicht zumuten – aber er glaube mir –es war nervenzerreißend. Gegen 19.30 erreichten wir dann völlig erschöpft wieder die Burg – aus der die Anderen bereits Stunden zuvor Richtung Kloster aufgebrochen waren. Also – Rucksack auf und weiter geht’s. Das Abendrot tauchte die Hügellandschaft Umbriens in ein warmes oranges Licht, das die Anstrengungen entlohnte. Wir redeten nicht viel und ich ließ meine Gedanken schweifen. In meinem Rucksack liegt nach wie vor die Pace-Fahne, doch innerlich habe ich allen Behörden, Beamten, Ärzten und Flughafenmitarbeitern dieses Landes den Krieg erklärt. Letztere haben ihre angeblichen Erfolge vom Vortag übrigens wieder dementiert und wollten wieder die Flugnummer haben!! Grrrr! Naja – für alle anderen Italiener weht weiterhin das Schwulenbanner mit Friedensaufruf. Und irgendwann erreichten wir tatsächlich das Kloster.

Stephan Regh

 

Sonntag, 31.08.03

Aufgestanden! Naja irgendwann waren halt alle wach, da heute schon der 11.09.2003 ist wird das wohl jetzt nicht so sehr detailliert, aber egal.

Nachdem wir bei der Tanke Salami gekauft hatten liefen wir los. Ab nach Gubbio hieß es heute. Von der Streckenlänge her war es der längste Wandertag, es ging ein paar mal ein paar hundert Meter hoch und danach nur noch abwärts bzw. gerade, also alles ganz locker. Gegen 14:30h kamen wir an einem Mittelalterladen vorbei, an dem sich der böse Leutnant ne Peitsche kaufte, BÖÖSE!! Aber lustig! Dann ging’s weiter ganz unspektakulär nach Gubbio zum Ende des Wanderwegs, welches in einem Park lag. Ingo und Nüssi wurde aufgetragen nach einem Plätzchen zum Pennen zu suchen. Nach ca. 1:30 h kamen sie wieder mit nem Platz im Kloster. Als Bezahlung mussten die beiden am Gottesdienst teilnehmenJ. Dafür gab’s auch ne Dusche und Toiletten. Zum Abendessen gab’s Pizza und danach ging’s noch ein wenig in die Stadt wo mehr Pizza gekauft wurde, da 2 Stücke Pizza pro Person nicht wirklich reichten. Dann noch ein Bierchen und ab ins Bettchen.

Andreas Heller

 

Montag, 01.09.03

Morgens gingen wir ins Zentrum vom Gubbio und zum Bus nach Perugia. Dort trafen wir Dennis. Nach mehreren Stunden fuhren wir mit dem Bus nach Castiglione del Lago am Lago Trasimeno. Nach einem Aufenthalt in der Stadt fanden Nüssi und Dennis ein Pfarrheim, wo wir dann Spätzle gekocht haben.

Philipp Moßmann

 

Dienstag, 02.09.03

Heute soll’s in eine Jugendherberge zwecks Wäschewaschen gehen. Isola Polvese im Lago Trasimeno klingt gut, Platz ist auch, also ab zum Fährhafen. Dort angekommen, Überraschung: Unser Plan ist falsch, keine Fährverbindung von hier. Die Auskunft will uns durch die halbe Toskana schicken (unfähig!!), das Touri-Info hat eine bequemere Buslösung. Also gammeln bis um vier, dem (letzten) Bus hinterhergerannt, einmal umsteigen, und endlich pünktlich zur letzten Fähre in San Feliciano angekommen. Jugendherberge=traumhaft, Ferienstimmung pur auf menschenleerer Insel. Nach stundenlangem Kochen gibt’s im Dunkeln irgendwas zu essen. Anschließend gemütlicher Ausklang auf der Terrasse mit Wein und orientalischer Musik.

Stephan Nüsgen

 

Mittwoch, 03.09.2003

Heute war ein guter Tag, außer dem was die Italiener Frühstück nennen. Danach Wäsche waschen und Schach und Dame spielen. Mittagessen, Brote ohne Salz und hart wie Stein. Weiterwaschen und spielen bis wir aufgestanden sind, das Abendessen zu machen. Doch auf einmal kam der Wachhund der Jugendherberge und schnappt ein Stück Pelle von der Mortadella (aufgeschäumte Fleischreste) mit Plastikpelle drum. Drei Helden auf den Hund losgegangen namens Andi,Oli und Lecki. Im Angesicht des Todes haben die drei dem Hund die Pelle wieder abgenommen. Das Essen war viel und lecker – es waren Nudeln.

Christian Lawecki

 

Die Isola Polvese war mal von einem Kloster besiedelt, welches irgendwann aufgegeben wurde und neben einigen anderen, von uns natürlich untersuchten, Ruinen vor sich hin zerfällt. In den letzten Jahren wurden dann Bauern der Umgebung überredet, die Olivenhaine wieder zu pflegen und es wurde die Jugendherberge errichtet, welche die einzige Übernachtungsmöglichkeit und überhaupt die einzige bewohnte Behausung hier darstellt. Traumhaft!! Die Herbergs“mutter“, Mitte 20 und ich tippe auf Studentenjob, schien übrigens allgemein nicht sonderlich begeistert von unserer Anwesenheit zu sein, waren wir doch die einzigen Gäste neben offensichtlich zu ihr gehörenden Kumpels. Wo kann man sich eigentlich für den Job bewerben?? Zum Programm aus Leitersicht: Während unsere Roveraspiranten mit wilden Bestien kämpften widmete sich der Rest der Mannschaft dem Müßiggang, unterbrochen nur vom Be- und Entladen der Waschmaschine.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Leiter war ein Besuch am Strand. Leider war uns der Uferbereich zu sumpfig, aber im Schatten der Bäume lies es sich mit einem guten Buch und fern der „Kinder“ ganz gut aushalten.

Stephan Nüsgen

 

Donnerstag, 04.09.2003

Wanderung San Feliciano Irgendwo im Nirgendwo

Oder die Vertreibung aus dem Paradies

 

Kurz nach Sonnenaufgang (gut etwas künstlerische Freiheit.. sagen wir eher gegen Mittag) verließen wir die bezaubernde Isola Polvese und setzten mit der Fähre nach San Feliciano über …seufz! – wäre gerne noch dageblieben. In San Feliciano empfing uns wieder italienische Realität: Der Bankomat hatte kein Geld mehr, aber keine Sorge: die örtliche Bank hatte auch keines. Begründung: Der Geldtransporter wäre schon lange verspätet. Grund zur Sorge? Nicht in Italien … Weiter ging es per pedes Richtung Panicale wo ich auf der erste Anhöhe mutig voranschritt und prompt in einen Hinterhalt geriet. Eine (wahrscheinlich gentechnisch veränderte)Hornisse sah meinen kleinen Finger als feindlich an und attackierte sofort. Trotz Cortison-Behandlung (jaja, Placebo) waren Schmerz und Schwellung recht heftig und führten beim nächsten Anstieg zu einem präsynkopalen Zustand bei mir (Gruß an Ingo). Nach der folgenden Zwangspause und Wasserversorgung durch (aristokratischen) Briten schlugen wir dessen Angebot in seinem Pool zu planschen aus, und nächtigten unter 50.000 Volt aber dafür mit herrlichem Blick.

Dennis Ladage

 

Freitag, 05.09.2003

Von Irgendwo nach Panicale

Nachdem wir morgens aufgestanden waren, wanderten wir nach Panicale. Unterwegs ist eigentlich nix besonderes passiert, nur kurz vor Panicale haben wir uns kurz verlaufen und mussten 2 km Straße gehen. In Panicale haben wir ein Pfarrheim gefunden und gleich eingekauft Abends gab’s dann selbstgemachte „Döner-Sandwichs“ für 50,- €.

Florian Frings

 

Samstag, 06.09.2003

Bahnfahrt Panicale-Chiusi-Orvieto-Attigliano

Aufstehen, Packen, Kochen und auf den Bus warten hieß es bis 15 Uhr. Mit dem Bus ging es nach Chiusi und von dort aus mit der Bahn nach Orvieto, wo wir um ca. 17h ankamen. Nüssi und Dennis fuhren mit der Zahnradbahn hoch in die Stadt um eine Schlafstelle zu suchen; Ingo, Scheid und Mullah gingen einkaufen.

Ergebnis: Viel Essen, kein Schlafen, weil nur Gästezimmer für viel Geld. Also in die Bahn und weiter nach Attigliano. Dort gab’s ne super Unterkunft beim Pfarrer mit 2 Duschen, wobei eine so konstruiert war, das nur 5% des Wassers ablaufen konnte und der Rest die Wohnung unter Wasser setzte. Fazit: Wischen, gut das wir Glück hatten und die Bude gefliest war. Also geduscht und gegessen. 0h ab ins Bett und um 8:30h wieder ab in die Messe bei der der freundliche Pfarrer sehr aufbrausend seine Messe führte, was sie nicht ganz so einschläfernd machte. Danach ging’s mit der Bahn weiter ab nach haste nicht gesehen (Bassano Romano)

Andreas Heller

 

Sonntag, 07.09.2003

Fahrt nach Bassano Romano

Der Höhepunkt des heutigen Tages waren sicherlich die liebenswert-mediterranen Eigenheiten des ehemaligen Eisenbahn-Staatskonzerns, der heute unter dem Namen „Trenitalia“ firmiert und unseren Italienisch-Wortschatz um die Wörter „Non c’è“ – gibt’s nicht und „in ritardo“ – verspätet bereichert hat.

Zunächst fuhren wir also von Attigliano nach Viterbo, wo es laut meinem Internetfahrplan selbiger Firma eine Umsteigemöglichkeit in die Nebenstreckenbahn Richtung Rom geben sollte, an der unser Zeltplatzbahnhof Bassano Romano liegt. Zum angegebene Zeitpunkt und auch um einiges später kam aber kein Zug der von hier auf unsere Nebenstrecke führt. Also wurde ein Bahnpolizist interviewt, der Licht ins Dunkel brachte: „Non c’è“ – Der fährt erst von einem anderen, etwa vier Kilometer südlich gelegenen Bahnhof ab, wahrscheinlich weil der zwischen beiden Stationen liegende Tunnel zugewachsen ist wie der aufmerksame Beobachter vielleicht festgestellt hätte. Wir waren aber nicht aufmerksam und so mussten wir rennen. Am anderen Bahnhof gab es trotzdem keinen Zug mehr für uns, was sehr ärgerlich war denn der Halt an unserem Zeltplatz musste reserviert werden. Dafür gab es hier ein Büro für schwer beschäftigte Bahnmitarbeiter, eine mit zwei Polizisten besetzte Station der Eisenbahnpolizei („Polizia Ferroviaria“) und ein Touri-Info. Dort erkundigten wir uns nach einer Lösung für unser Problem, Bassano Romano zu erreichen, und die Dame war wirklich äußerst hilfsbereit und telefonierte mit der Hotline („Numero verde“) der Firma Trenitalia. Kein Problem, wurde gesagt, einfach dem „Capo di Treno – The Train-Boss, you know?“ Bescheid sagen, dann würde der Zug schon halten. Also auf den nächsten Zug gewartet, den Capo di Treno geschnappt und unser Begehr vorgetragen. Der Mann erweist sich allerdings als ebenso wortkarg wie bärbeißig und erklärt, er bräuchte so was drei Tage im Voraus und außerdem schriftlich. Also wieder zurück ins Touri-Info. Die Dame wird sauer, kann ja alles gar nicht sein, was das denn für einer sei, wir sollen ihr den Kerl mal zeigen. Also mit aufgebrachter Italienerin zurück in besagtes Bahnmitarbeiter-Büro, Dennis passt derweil aufs Touri-Info auf. Nach ihrem minutenlangem, energisch-wasserfallartig vorgetragenem Vortrag gibt unser Bahnchef schließlich nach und verschwindet mit der Bemerkung, er müsse mal eben mit Rom telefonieren (jaja), irgendwo im Gebäude und taucht kurz darauf mit der These wieder auf, dass sei alles überhaupt kein Problem, natürlich halte der Zug in Bassano Romano. Danke an eine engagierte Touri-Info Mitarbeiterin! Wir können demnächst ja mal versuchen, den Eifelexpress in Kierberg halten zu lassen, ich glaube das funktioniert nicht wirklich…

Der Rest ist schnell erzählt: Am Bahnhof raus, verlängerten wir die Wegstrecke zum Zeltplatz ein wenig, da wir eine Abkürzung suchten J. Am Zeltplatz angekommen empfing uns ein gewisser Valerio, ein römischer Wölflingsleiter der so was wie der Zeltplatz-Zivi ist, sowie der Chef höchstpersönlich welcher fließend Deutsch spricht und mich somit von meinem Dauerdolmetscherjob erlöst.. Außer uns gibt es auf dem riesigen Areal nur noch eine DPSG-Gruppe aus Meerbusch, so dass wir einer ruhigen Woche entgegensehen.

Stephan Nüsgen

 

Montag, 08.09.2003 Rom I

Rom in drei Tagen haben wir uns vorgenommen, und heute ging’s los. Zusammen mit den Meerbuschern fuhren wir mit der Bahn nach Rom, wo wir über die italienischen Pfadfinder vom Zeltplatz eine Unterkunft in Gestalt eines Fußbodens zum Schlafsackausrollen in einem Kloster organisiert bekommen haben. Dieses liegt irgendwo ganz weit draußen an einer Ausfallstraße einer tristen römischen Vorstadt, dafür ist es äußerst billig und wir wollen hier ja auch nur Schlafen.

In Rom gab es erst mal, angeführt von unseren stufenfahrterprobten Rom-Experten Ingo und Christoph (war die Eisdiele jetzt links oder rechts) sowie Jakob Kulturpflichtprogramm für alle in Gestalt des antiken Teils der ewigen Stadt: Forum Romanum (Iih Latein), Kolloseum usw. Anschließend war noch Kleingruppenprogramm angesagt, bis wir uns abends ganz klassisch und, wie es sich für Touris gehört, an der Spanischen Treppe trafen. Die Meerbuscher scheinen die gleiche Idee gehabt zu haben. Nachdem wir gemeinsam eine Weile über die „richtigen“ Touris gelässtert haben ging’s zurück ins Kloster. Angesichts der Geruchsentwicklung in unserem Schlafgemach zog es die Mehrheit vor, draußen zu nächtigen, und auch wenn es recht laut war habe ich ganz gut geschlafen.

 

Dienstag, 09.09.2003 Rom II

Nachdem wir unser Gepäck bei der Gepäckaufgabe( „Deposito Bagagli“) im Bahnhof Roma Termini abgegeben hatten, setzten wir unser Rom-in-drei-Tagen Programm nach obigem Muster fort. Zu sehen gab es verschlossene Caracalla-Thermen, Kirchen und noch mehr Kirchen, die sixtinische Kapelle (nur erreichbar durch vatikanisches Museum – aufreg!!) und die wahrscheinlich genialste Eisdiele der Welt, in der man richtig arm werden kann – aber es lohnt sich. Aus dem Petersdom wurde erst mal nichts, aber morgen sind wir ja wieder da und vielleicht vergessen wir dann nicht unsere Hosenbeine zum dranzippen, gell?? Oder ziehen alle kurze Hosen an, das ginge auch weil dann ist es ja Uniform – sehr deutsche (oder besser gesagt schweizerische) Logik. Unser italienischen Brüder und Schwestern in ihren feschen blauen Hosen haben uns da jedenfalls was voraus. Die offen am Gürtel baumelnden Takel- und Fahrtenmesser unserer zukünftigen Rover waren dagegen übrigens, im Gegensatz der Nagelpfeile einer Dame, kein Problem welches uns am Betreten des Petersplatzes gehindert hätte.

 

Mittwoch, 10.09.2003

Rom III

Es begann ein neuer Tag, und zwar mit Regen. Nachdem alle Zeit vertrödelt war die wir hatten ging’s zum Bus, welcher 300m (oder so) vom Platz entfernt war. Rein da, und ab nach Rom. Angekommen, raus, zum Petersplatz, Papstaudienz, es regnet, danach ab zu Basilika San Paolo, dort angekommen, STOP, da haben wir doch was vergessen, nein nicht vergessen, geklaut bekommen, nämlich meine Geldbörse in der Metro. Mist! Ok ab zur Basilika, erst mal Scheiße drauf. Germanwings angerufen und gesagt bekommen dass ohne Erstattpapiere nix geht, Scheiße! Also zur Deutschen Botschaft, STOP! Vorher geniales Foto (s. Anlage) im Automaten schießen. Supi, die sagen „Hey, Bingo, Du brauchst ne Anzeige“. Also ab nach Roma Termini, Bahnpolizei. Chiuso, deshalb weiter zu den Carabinieri: Wir sind nicht zuständig. Andere Bahnpolizei gesucht, nach so langer Zeit gefunden, dann mit so wenig Zeit hinter soooo ner Schlange stehend, irgendwann doch noch drankommend mit einer freundlichen Polizistin die Anzeige ausfüllen. Wieder zurück zur Botschaft, Dennis geht erst mal in Deutschland auf’s Klo, wir (ich und Nüssi) holen bei der ein wenig genervten Beamten den Perso ab (21 €), mmkay Glück Stamm bezahlt. Ab zum Petersdom mit Zeitdruck! Die die schon mal da waren dürfen nicht in die Kuppel, die dürfen einkaufen. Petersdom anschauen in 15 Minuten, dann Hochrennen (weil billiger), wieder runter und mit dem Bus weg he! Am Campingplatz angekommen und ausgeraubt: Messer, Taschenlampen, Brillen, … alles weg!

Kochen, Essen, Pennen, wir haben fertig.

Andreas Heller

 

Donnerstag, 11.09.2003

Gammeltag

Heute haben wir eigentlich nix gemacht, außer dass ich mit Reghi in Bassano Romano einkaufen war, unter anderem in einem dieser herrlich-schrägen Läden die scheinbar wirklich alles zu haben scheinen. So erstanden wir in einem angeblichen Eisenwarenladen einzelne Kerzen, Fackeln und Petroleum.

Stephan Nüsgen

 

Freitag, 12.09.2003

Lago di Bracciano

Heute war ein Ausflug an den nahe gelegenen Lago di Bracciano geplant. Der Zug war reserviert und hielt tatsächlich, vom Bahnhof in Bracciano mussten wir nur noch ein kleines Stückchen wandern und erreichten schließlich einen menschenleeren Strand. Die Saison war hier erkennbar zu Ende: Zugenagelte Bars und festgebundene Tretboote bildeten eine etwas melancholische Stimmung. Nachdem auch wasserscheue Menschen tatkräftig „überredet“ wurden, das kühle Nass auszuprobieren, zogen wir gegen Nachmittag sauber und mit neuen Sonnenbränden versehen wieder ab. Ach ja, wir haben nicht nur faul am Strand gelegen, sondern uns in einem Kreativitätsanfall Halstuchknoten aus Bambusrohren geschnitzt. In den örtlichen Tante-Emma-Läden wurde noch schnell für den Abend eingekauft und so marschierten wir vollgepackt zum Bahnhof. Im Zug die bange Frage: Hält er oder hält er nicht? Er hielt nicht, also ging’s erst in Capranicia raus. Bus – non c’è, also sieben Kilometer Landstraße laufen, im Dunkeln Dank des italienischen Fahrstils (na ja, bei uns ist’s aber auch nicht besser) kein ungefährliches Unterfangen. Nach ein paar Kilometern und dem hundertsten „Hintereinandergehen, verdammtnochmal“ kam von hinten plötzlich die Nachricht, dem Jakob ginge es nicht gut. Das bestätigte sich dann auch, wir tippten mal auf Sonnenstich. Weitergehen schien für ihn nicht möglich zu sein, also wurde Valerio angerufen, nachdem ich seine Handynummer rausgekriegt habe: „Wir stehen hier bei Kilometerstein soundso, kannst du einen von uns abholen ….“. Er konnte, und kurz darauf saßt Jakob im Panda. Das Angebot, den Rest auch noch per Valerio-Taxi zum Zeltplatz zu befördern, lehnten wir aber ab. Das für den Abend geplante Fest mit Roverversprechen fiel wegen des Gesundheitszustands von mittlerweile der halben „Kinder“-Gruppe leider ins Wasser, denn der Sonnenstich scheint ansteckend gewesen zu sein. Die Leiter tranken noch schweigend ihre letzte Flasche Wein in Italien und verschwanden nacheinander im Schlafsack. Irgendwie passt die heutige Katastrophe zum restlichen Fahrtenkonzept. Ob morgen am Flughafen Frank Elstner steht und mich fragt, ob ich Spaß verstehe??

Stephan Nüsgen

 

Samstag, 13.09.2003 Rückflug

Morgens in aller Herrgottsfrüh aufgestanden, Sachen gepackt, bei Valerio verabschiedet und zum Dank noch Lebensmittel und den Gaskocher verschenkt. Ab zum Bahnhof, in Erwartung eines durchfahrenden Zugs, aber: Glück gehabt, der Zug wird nicht nur angesagt, sondern stoppt sogar. Fahrkartenentwertung gibt’s von Hand mit des Schaffners Kuli – wieder einmal erweist sich die mediterrane Einstellung als sehr vorteilhaft.

In Roma Ostiense werden für ein kleines Vermögen Fahrkarten zum Flughafen gekauft, dann geht’s nix wie ab in die Lido-Bahn zum Meer. Hier gibt’s einen kleinen Strand – senza pagare – mit Dusche, Toilette, Strandbar, und im Schatten der (nicht besetzten) Baywatch-Station lässt es sich gut aushalten. Das Meer ist warm und sieht zumindest nicht so eklig aus wie es wahrscheinlich ist (hat Rom eigentlich eine Kläranlage?), und so kann sich keiner der Faszination eines Sprungs in die Fluten entziehen. Kleine und große Kinder bauen anschließend noch Sandburgen, bis es um vier Uhr schließlich zum Flughafen geht. Hier wird noch Philipps Rucksack abgeholt, den wir nach einer kleinen Diskussion mit einem italienischen Grenzschützer tatsächlich in einem miefigen kleinen Büro tief im Inneren des Sicherheitsbereichs im Terminal B auffinden. Eine Unterschrift, und eine nervenaufreibende Odyssee hat ihr Ende gefunden. Dann geht’s zum Einchecken, die gute Frau am Schalter wird nervös, erscheint völlig überfordert und druckt erst einmal falsche Aufkleber für unsere Rucksäcke aus, die sie dann wieder einsammelt – das wär’s wahrscheinlich gewesen! Dann endlich wird unser gesamtes Gepäck inklusive der Wanderstöcke (hurra!) von „Extra Size Baggage Delivery“ aufgenommen. Der Flug beginnt eine halbe Stunde verspätet und so endet er auch, das war dann aber auch das einzige was heute nicht so ganz gepasst hat. In Köln ein kurzes, schlaftrunkenes Hallo zu den Eltern und dann ab – in die Villa, klar, wohin auch sonst.

Stephan Nüsgen